Der Wecker klingelte an diesem Morgen ungewöhnlich früh. Bereits um 4.30 Uhr war Treffpunkt am Bahnhof in Kaltern. Noch bevor die Sonne aufging, machten wir uns auf den Weg zum Mendelpass. Doch warum so früh?
Die Antwort ist einfach: In den kühlen Morgenstunden sind Insekten und vor allem Schmetterlinge aufgrund der niedrigen Temperaturen noch nahezu bewegungslos. Zudem sind sie oft mit feinen Tautropfen bedeckt – ein wunderschöner Anblick und die perfekten Bedingungen für beeindruckende Makroaufnahmen.
Nach einer kurzen Wanderung erreichten wir blumenreiche Bergwiesen. Nun hieß es: Augen auf und Ausschau nach Schmetterlingen halten. Anfangs war ich jedoch viel zu hektisch unterwegs und entdeckte zunächst keinen einzigen Falter. Die erfahrenen Fotografen bremsten mich sofort. Makrofotografie verlangt Geduld. Man muss mit der Natur eins werden: stehen bleiben, in die Hocke gehen, beobachten – ganz genau beobachten. Jede einzelne Blüte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und sich Zeit nehmen.
Plötzlich öffnete sich für mich eine völlig neue Welt voller kleiner Bewohner. Schon bald entdeckte ich die ersten Schmetterlinge: Schachbrettfalter, Kleine Wiesenvögelchen, verschiedene Bläulinge und zahlreiche Rotwidderchen. Es war faszinierend, wie viel Leben sich auf wenigen Quadratmetern Wiese verbarg.
Die Lichtverhältnisse waren zunächst eine Herausforderung. Wir warteten gespannt auf die ersten Sonnenstrahlen, die unseren Motiven Wärme und eine besondere Stimmung verliehen. Zusätzlich kam künstliches LED-Licht zum Einsatz, um gezielt Licht- und Schattenspiele zu erzeugen und die filigranen Details der Schmetterlinge hervorzuheben.
Unser größter Gegner war allerdings der Wind. Bereits kleinste Bewegungen der Blüten brachten die Motive zum Schwanken. Gerade in der Makrofotografie ist das problematisch, denn die Schärfentiefe ist extrem gering. Schon wenige Millimeter Bewegung können dazu führen, dass das eigentliche Motiv unscharf wird. Deshalb waren Geduld, Konzentration und das richtige Timing entscheidend.
Der Ausflug auf den Mendelpass zeigte eindrucksvoll, dass Makrofotografie weit mehr ist als nur das Fotografieren kleiner Motive. Sie lehrt, die Natur bewusst wahrzunehmen, Geduld zu entwickeln und selbst die kleinsten Details zu schätzen. Wer sich darauf einlässt, entdeckt eine faszinierende Welt, die den meisten Menschen im Alltag verborgen bleibt.

2 Kommentare
Helmuth Pliger sagt:
Aug 17, 2026
Ein Ausflug, der sich immer wieder zum nochmals machen lohnt.
Edeltraud Andergassen sagt:
Sep 23, 2026
Ja unbedinngt