Seit längerer Zeit begebe ich mich immer öfters auf die Suche nach den flüchtigen Bewohnern der alpinen Welten. Ich bewege mich dabei durch Regionen aus Fels, Eis und schroffem Grasland, weit oberhalb der letzten knorrigen Zirbelkiefer. Mein Reich beginnt dort, wo die Bäume aufhören zu wachsen und die Landschaft in ein Meer aus Kälte und Stille übergeht.

In dieser scheinbar leblosen Umgebung entdecke ich eine faszinierende Tierwelt, die an die extremen Bedingungen perfekt angepasst ist. Mein Zielobjekt ist der Steinbock, dessen kräftige, gebogene Hörner und majestätische Präsenz für mich die perfekte Verkörperung dieser Bergwelt darstellen. Hier oben, wo nur noch hartnäckige Gräser, Flechten und Moose existieren, suchen die Tiere nach ihrer Nahrung.

Ich halte auch Ausschau nach der Gämse, einem blitzschnellen Kletterkünstler, der mühelos über die steilsten Felswände springt. Mit ihrem dunklen Fell und dem hellen Kopf hat die Gämse eine einzigartige Erscheinung, die in der kargen Umgebung eine besondere Herausforderung für mein Auge darstellt. Auch Alpenschneehühner haben hoch oben ihr Zuhause und ernähren sich dabei von Flechten und spärlicher Kost. Sie verlassen sich dabei vollkommen auf Ihre Tarnung. Ihr Federkleid ist im Sommer braun-grau gesprenkelt, während es im Winter eine weiße Pracht ist. Gelegentlich bekomme ich sogar den Bartgeier vor die Linse, der unscheinbar und nahezu lautlos seine Runden dreht.C Alpenschneehuhn 6

Der Weg zu diesen beeindruckenden Motiven ist alles andere als einfach. Ich verbringe so oft es geht, Stunden in der Wildnis, um die Verhaltensweisen der Tiere zu studieren und den perfekten Moment abzupassen. Mein Tag beginnt oft in der Dunkelheit, lange vor Sonnenaufgang, um das weiche Morgenlicht einzufangen, das die Berggipfel in goldenes Licht taucht. Ich muss schwere Kameraausrüstung, große Teleobjektive, Stative und Wechselkleidung in meinem Rucksack verstauen.

Jeder Schritt auf dem Steilen, oft unwegsamen Gelände ist eine Anstrengung. Ich kämpfe gegen Kälte, Wind und plötzliche Wetterumschwünge an. Die dünne Luft in dieser Höhe macht selbst einfache Aufstiege zu einer körperlichen Herausforderung. Oft warte ich stundenlang an einem Ort, regungslos und geduldig, um die scheuen Tiere mit meiner Kamera festzuhalten.

IMG-20171207-WA0000

Doch für mich ist die Anstrengung eine Art Meditation. Die Stille der Berge und das Gefühl der Isolation schärfen meine Sinne. Es geht mir nicht nur darum, ein Bild zu schießen, sondern die Essenz dieser ursprünglichen Welt einzufangen. Meine Fotos erzählen Geschichten von Überleben, Schönheit und der unbezwingbaren Kraft der Natur. Es ist ein Akt der Wertschätzung für den Lebensraum und die Kreaturen, die ihn bewohnen. Am Ende des Tages, wenn ich mit müden Gliedern, aber glücklichem Herzen ins Tal zurückkehre, weiß ich, dass jede Mühe es wert war.

 

Alexander

Gantioler

Naturfotografics